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Ozon und Sommersmog

Dicke Luft

Mädchen in sommerlichem Feld
Der Sommer ist da! Noch können wir Wetten abschließen, ob er sich zu einem solchen Tropensommer wie im vorletzten Jahr entwickelt. Danach sieht es im Moment allerdings nicht wirklich aus... Aber zumindest einer Sache können wir sicher sein: Ohne Sommersmog geht es auch diesmal nicht ab.


War Sommersmog und bodennahes Ozon Ende der 90er Jahre noch ein viel diskutiertes Thema, hörte man im letzten Sommer kaum etwas darüber. Dabei erreichte die Ozonbelastung Rekordhöhen. Mehr als 80 Prozent der über das gesamte Bundesgebiet verteilten Messstationen verzeichneten gesundheitsbedenkliche Werte von über 180 mg/m³ (=180 Millionstel Gramm pro Kubikmeter Luft). Zwar wurde die Bevölkerung über die hohen Ozonwerte informiert, das eigentlich zu erwartende Medienecho oder Konsequenzen wie Fahrverbote blieben indes aus.

Runter mit den Grenzwerten


Gerüchten, die Grenzwerte für Ozonalarm seien stillschweigend erhöht worden, widerspricht das Umweltbundesamt (UBA) vehement: Im Gegenteil, die Grenzwerte wurden im vergangenem Jahr im Rahmen einer EU-weiten Gesetzesanpassung sogar von 360 mg/m³ auf 240 mg/m³ gesenkt*.
Dass kurzfristige Maßnahmen wie Fahrverbote nicht mehr angeordnet werden, liegt daran, dass mit dem Jahr 1999 das so genannte Ozongesetz ausgelaufen ist und nicht erneuert wurde. Tatsächlich gab es nur ein einziges Mal während seiner Laufzeit Ozonalarm mit Fahrverboten – im August 1998.
Dennoch ist den meisten dieses Ereignis lebhaft im Gedächtnis geblieben. Sehr viel gebracht haben diese Aktionen nach Angaben des Bundesumweltministeriums derweil nicht. Auch deshalb setzt man dort stärker auf langfristig wirkende Maßnahmen, die den Ausstoß so genannter Vorläufersubstanzen reduzieren. Diese erst ermöglichen im Sommer die Bildung von Ozon.

Vorläufersubstanzen ** entstehen vor allem durch Verkehrs- und Industrieabgase, aber auch durch die Verwendung von lösemittelhaltigen Farben und Lacken. Ein ganzes Bündel an Maßnahmen zur Reduzierung dieser Substanzen wurde auf den Weg gebracht – und man kann bereits Erfolge verbuchen. „Hätten wir bei dem Wetter im vergangenen Sommer noch so viele Schadstoffe in der Luft gehabt wie 1997 – die Ozonsituation hätte sehr viel dramatischer ausgesehen“, ist man sich beim UBA sicher. „Das soll aber keine Entwarnung sein.“

Gefahr für die Gesundheit


Eine Ozonkonzentration von mehr als 120 mg/m³ sollte aus Vorsorgegründen nicht über längere Zeit überschritten werden. Denn Ozon und andere Bestandteile des Sommer-smogs wirken reizend auf die Augen und Schleimhäute. Etwa zehn bis 15 Prozent der Bevölkerung reagiert darauf besonders empfindlich. Ob Asthmatiker stärker gefährdet sind, gilt als umstritten. Unumstritten ist jedoch, dass man bei körperlicher Anstrengung mehr und intensiver atmet – die Substanzen können deshalb tief in die Lunge eindringen. Das kann zu Husten oder sogar entzündlichen Prozessen führen.
Alle, die sich bei Sonnenschein und hohen Temperaturen lange im Freien aufhalten, sollten deshalb übermäßige oder ungewohnte körperliche Anstrengungen sowie Ausdauerleistungen vermeiden oder in die Morgen- beziehungsweise Abendstunden verlegen.

Im Prinzip gilt die Faustregel: Das Verhalten, das generell bei hohen Temperaturen vernünftig ist, ist auch im Hinblick auf Ozon sinnvoll. Ratsam ist es auch, sich über aktuelle Ozonwerte zu informieren (zum Beispiel unter www.env-it.de/luftdaten).
Ab Werten über 180 mg/m³ wird außerdem über den Rundfunk die Bevölkerung informiert.

Was jeder tun kann:

Jeder kann dazu beitragen, die ozonbildenden Stickoxide und Kohlenwasserstoffe in der Luft langfristig zu reduzieren. Damit diese Aktionen Wirkung zeigen, sollten diese Regeln nicht nur bei erhöhten Ozonwerten gelten:






*Richtlinie 2002/3/EG über den Ozongehalt der Luft
**Das sind in erster Linie Stickoxide (NOx) und flüchtige organische Kohlenstoffverbindungen (VOC). Unter Einwirkung von Sonnenlicht reagieren diese Substanzen zu Ozon (O3). Hohe Temperaturen fördern diese photochemische Reaktion.



SR, 6.04
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Zusatzinfos:


Es gibt zahlreiche Broschüren, die das Thema "Sommersmog" verständlich aufbereitet präsentieren. Besonders gut gefiel uns die Broschüre des Bundesumweltministeriums "Viel Sommer - wenig Smog"

Das Umweltbundesamt hat auf seiner Website eine ganze Reihe an Informationsmaterialien zum Thema bodennahes Ozon. Darunter ist allerdings auch einiges, das sich weniger an Laien wendet. Wen die Voraussetzungen und Mechanismen der Entstehung von Sommersmog, Messtechnik, Ozonberichte, juristische, politische und wissenschaftliche Hintergründe zu den Wirkungen des Sommersmogs auf Mensch und Natur interessieren, ist hier jedoch an genau der richtigen Adresse.
www.uba.de

Aktuelle Ozonmesswerte und -prognosen kann man hier abrufen:
www.env-it.de/..

Kritisch setzt sich der Fachinformationsdienst Lebenswissenschaften, Umwelt und Gesundheit FLUGS mit den neuen Grenzwerten für bodennahes Ozon und dessen gesundheitlichen Auswirkungen auseinander. FLUGS schlägt verschiedene Maßnahmen - auch politischer Art - vor, die Ozonbelastung nachhaltig zu senken.
www.gsf.de/flugs/




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