
März 2009
Körperschmuck mit Risikofaktor
Voll im Trend: Rund ein Viertel der unter 30-Jährigen in Deutschland hat mindestens ein Tattoo oder Piercing. Bei amerikanischen Collegestudenten ist es schon jeder zweite. Unterschätzt werden die gesundheitlichen Risiken, die einem den Spaß am angesagten Körperschmuck vermiesen können.Anker, Herzchen, Nasenring
Lena und ihr Freund Tobias kommen gerade aus einem Tattoostudio. „Endlich habe ich einen Termin!“, freut sich die 18-jährige Schülerin. „Ich will schon seit zwei Jahren ein Tattoo, aber meine Eltern haben mir das verboten. Jetzt bin ich volljährig und brauche deren Erlaubnis nicht mehr.“ Die junge Frau will sich eine kleine Rose auf den Oberarm tätowieren lassen. Angst vor dem Stechen? „Nö, das werde ich schon aushalten. Wer schön sein will, muss leiden“, lacht sie unbeschwert. Ihr Freund ist nicht ganz so glücklich mit ihrer Entscheidung. „Der Inhaber des Tattooladens hat Lena über die gesundheitlichen Risiken aufgeklärt. Da kann ganz schön viel schiefgehen. Wegen mir müsste sie das nicht machen lassen.“Die Bedenken von Tobias sind durchaus berechtigt, immerhin kommt es Experten zufolge bei bis zu 30 Prozent der von einem Profi gemachten Piercings und Tattoos zu Komplikationen. Bei Eingriffen, die selbst zu Hause vorgenommen wurden, liegt die Rate sogar bei 70 Prozent.
Aua: Was hat dich denn gestochen?
Die Liste möglicher Komplikationen ist lang – allergische Reaktionen, schmerzhafte Entzündungen, wulstartige Narben und anhaltende Infektionen sind nur einige Beispiele. Sogar von einem erhöhten Risiko für Hautkrebs ist die Rede. Eigentlich kein Wunder, wenn man bedenkt, dass zum Beispiel die Zusammensetzung und Herstellung der Tätowierfarben keinerlei Standards unterliegen. Hier werden manchmal die gleichen Pigmente verarbeitet, die auch in der Autoindustrie zum Lackieren benutzt werden. Da deren Herstellung nicht den hygienischen Bedingungen der Arzneimittelproduktion unterliegt, können die Pigmente mit Keimen verunreinigt und sogar giftig sein. „Bei Tätowierungen können die in den Farben enthaltenen Azo-Farbstoffe Auslöser für Erkrankungen, zum Beispiel Allergien, sein“, erklärt der Dermatologe Dr. Bernhard Egger vom AOK Bundesverband.
Beim Tätowieren werden Farbmittel mit Hilfe von Nadelstichen in die Haut eingestanzt. Damit die Färbung dauerhaft ist, werden die Farbpigmente in die mittlere Hautschicht eingebracht. Ein nicht unerheblicher Teil der Farbe wird dann innerhalb kurzer Zeit über das Lymphsystem aus der Haut in den ganzen Körper abtransportiert. Das belegen zum Beispiel Einfärbungen der Lymphknoten. Ob, und wenn ja, welche Folgen dies für den gesamten Körper haben kann, ist auch unter Medizinern nicht wirklich geklärt.
Auch ein Piercing kann zur Gefahr werden: Häufig enthält der Schmuck Nickel, das bei Hautkontakt Allergien auslösen kann. Zwar gelten seit drei Jahren in der Europäischen Union Höchstgrenzen für den Nickelgehalt in Schmuckstücken, doch die Schmuckhersteller wissen dies zu umgehen. So reicht es häufig schon aus, wenn lediglich die Oberflächenbeschichtung nickelfrei ist, damit keine Kennzeichnung nötig ist. „Anzeichen für eine Nickelallergie sind Rötungen, Jucken und Bläschenbildung. In diesem Fall sollte der Schmuck sofort entfernt werden“, meint Dr. Egger. Studien zufolge leidet jeder zehnte Deutsche unter einer Nickelallergie.
Häufig tritt bei Piercings auch eine Entzündung auf. „Gerade Piercings im Bereich von Nase und Mund haben ein deutliches Infektionsrisiko.Wer auf den Körperschmuck nicht verzichten will, muss auf sehr sorgfältige Hygiene achten“, erklärt der Dermatologe. So sollte der Piercing-Schmuck während der Heilphase nach dem Stechen nur mit desinfizierten Fingern berührt oder gedreht werden. Auch Schwimmbäder, Solarien und Saunen sollten in dieser Zeit besser gemieden werden, rät der Experte.




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