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März 2010

Interview - "Die Straße ist für alle da"

Welf Stankowitz
Quelle: DVR
Hat man als Radfahrer einen Unfall, sind die Folgen fast immer schmerzhaft. Welf Stankowitz, Technik- und Sicherheitsexperte beim Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR), erklärt, was Radler tun können, um ohne Blessuren durch den Verkehr zukommen.

Herr Stankowitz, im letzten Jahr sind laut Statistik knapp 80.000 Radfahrer verunglückt. Das sind fast 20 Prozent aller Verunglückten. Leben Radfahrer auf unseren Straßen gefährlich?

Der Begriff „gefährlich“ ist immer relativ. Tatsache ist, dass Unfälle mit Radfahrern in den letzten Jahren nicht so stark zurückgegangen sind wie Unfällemit Pkw. Deshalb müssen Radfahrer im Straßenverkehr besser geschützt werden. Die Unfallschwerpunkte liegen eindeutig an Kreuzungen, Einfahrten und Einmündungen, also hauptsächlich dort, wo sich alle Verkehrsteilnehmer begegnen und sich ihre Wege kreuzen. Fahrräder haben einfach den Nachteil, dass sie weniger auffallen als Pkw oder Lkw und oft übersehen werden. Dazu kommt, dass Radfahrer viel flexibler fahren können. Autofahrer erwarten das vielfach nicht. Besonders in den Städten, in denen relativ wenig Radfahrer unterwegs sind, sind die Autofahrer oftmals überrascht, wenn sie auf einen Radfahrer treffen. Sie müssen dann blitzartig reagieren – und das geht manchmal schief.

Was kann man als Radfahrer tun, um Unfälle zu vermeiden?

Sich um jeden Preis bemerkbar beziehungsweise sichtbar machen. Das bedeutet zum Beispiel, in der dunklen Jahreszeit mit Licht, Reflexstreifen oder einer Warnweste zu fahren. Für Radfahrer ist es bei Dunkelheit doppeltwichtig, vorausschauend zu fahren. Im Lichtermeer können Autofahrer die Fahrradfahrer wesentlich schlechter identifizieren. Noch schlimmer wird es, wenn es regnet oder schneit und schlecht beleuchtete Radfahrer nur schemenhaft oder gar nicht zu erkennen sind. Für alle Verkehrsteilnehmer gilt: Bewegen Sie sich bei Dunkelheit und Regen vorsichtiger und nehmen Sie mehr Rücksicht auf andere. Schließlich ist die Straße für alle da.

In den letzten Jahren gab es viele Fortschritte in der Fahrradtechnik. So hat sich zum Beispiel mittlerweile die LED-Technik durchgesetzt. Sind Radfahrer für das Thema „Sichtbarkeit und Sicherheit“ sensibilisiert?

Noch nicht ausreichend, aber es wird besser. Aktuelle Untersuchungen belegen, dass immer noch fast jeder zweite Radfahrer ohne eingeschaltetes oder mit einem nicht funktionierenden Licht unterwegs ist. Zum Glück werden jedoch die LED-Lichter oder auch hochwertige Halogen-Lichter immer attraktiver, denn sie bringen einen wirklichen Nutzen. Vorbei sind die Zeiten der dunklen „Funzeln“. Mit der neuen Technik können Radfahrer selber die Straße besser ausleuchten: Nicht nur das Gesehenwerden ist ganz wichtig, sondern auch das Selbersehen.

Seit fast zwei Jahren wird über die Helmpflicht in Deutschland diskutiert. Bisher gibt es sie nicht. Warum ist eine solche Regelung nicht durchsetzbar?

Die Gegner befürchten, dass eine generelle Helmpflicht das Radfahren unattraktiver machen würde. Sie glauben, das Fahrrad würde gerade auf kurzen Strecken nicht mehr zum Einsatz kommen. Wir vom DVR appellieren an die Vernunft aller Radfahrer, denn gerade der Helm ist ein wichtiges Sicherheitselement. DieUnfallstatistiken zeigen eindeutig: Kopfverletzungen sind nach wie vor bei Radfahrern die wichtigste Ursache für tödliche Verletzungen. Wie relevant ein Helm ist, zeigen uns die in der Art vergleichbaren Motorradunfälle: Nurwenige Motorradfahrer werden schwer am Kopf verletzt, da sie ihn durch den Helm schützen. Beim Radfahren muss diesbezüglich noch ein Umdenken einsetzen.

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