
Mai 2010
Eine reizende Bescherung
Gefährlich ist nur das, was knallt und stinkt? Sicher nicht! Oft lassen sich Gefahrstoffe auf den ersten Blick kaum erkennen. Damit man trotzdem ganz schnell weiß, mit was man es zu tun hat, werden sie gekennzeichnet.Nicht nur im Chemielabor, in vielen Branchen kommen Mitarbeiter mit Substanzen in Kontakt, die gefährliche Eigenschaften haben und krank machen können. Auch zu Hause stehen Produkte mit Inhaltsstoffen im Regal, die alles andere als harmlos sind. Zum Beispiel Abflussreiniger, Sekundenkleber, Batterien, Farben und Lacke, Nagellackentferner, Lampenöl, ja unter Umständen sogar das geliebte Deospray. Grundsätzlich sollte jeder wissen, womit er hantiert und worauf er sich einlässt – und deshalb genau auf die Verpackung schauen. Denn dort zeigt die Kennzeichnung was Sache ist. Etwa ob ein Stoff als giftig, ätzend oder sensibilisierend gilt und was beim Umgang mit ihm zu beachten ist. Fast jeder kennt die entsprechenden orangefarbenen Quadrate mit unterschiedlichen Symbolen wie schwarzem Totenkopf, explodierender Bombe, lodernder Flamme oder dem nach Luft schnappenden Fisch unter einem abgestorbenen Baum.
Alles eins dank GHS
Eine deutliche Kennzeichnung von Gefahrstoffen ist also lebenswichtig. Das Problem: Bis vor Kurzem galten weltweit unterschiedliche Standards für Einstufungen und Kennzeichnungen: Während beispielsweise hochkonzentriertes Koffein in der EU als gesundheitsschädlich gekennzeichnet wurde, stuften die USA den Stoff als giftig ein. Die Chinesen bezeichnen ihn dagegen als ungefährlich. Wer blickte da noch durch? Also erarbeiteten die Experten der Vereinten Nationen ein neues, weltweit einheitliches System. Es heißt GHS. Das ist die Abkürzung für „Globally Harmonized System of Classification and Labelling of Chemicals“, zu deutsch: Global Harmonisierendes System. „Harmonisieren“ heißt so viel wie „in Einklang bringen“, und genau darum geht es bei GHS: Die verschiedenen Systeme zur Gefahrstoffkennzeichnung und -einstufung werden international aufeinander abgestimmt. Seit Januar 2009 ist dieses System bei uns in Kraft.
Neue alte BekannteMit GHS sind die bekannten orangefarbenen Quadrate out und werden in der nächsten Zeit Schritt für Schritt durch Rauten mit rotem Rand ersetzt. Die schwarzen Symbole in den Rauten sind häufig keine Unbekannten. Der Totenkopf zum Beispiel warnt auch im GHS vor giftigen Stoffen. Aber nicht nur die Symbole und Darstellungen ändern sich, sondern auch die Einstufungskriterien. Nach altem EU-Recht gibt es 15 Gefährlichkeitsmerkmale wie „ätzend“, „sehr giftig“ oder „leichtentzündlich“. Nach GHS wird nun zwischen ganzen 28 Gefahrenklassen unterschieden. Deshalb gibt es auch neue, bislang unbekannte Gefahrenpiktogramme: Die Gasflasche kennzeichnet unter Druck stehende Gase, derMensch mit Stern steht für ernste Gesundheitsgefahren und das Ausrufezeichen warnt vor Gesundheitsschäden. Letzteres ersetzt das bisherige Andreaskreuz.
Signalworter Gefahr und AchtungGHS bringt wichtige Zusatzinformationen zur Gefahrstoffkennzeichnung. Erste Hinweise auf die Gefährdung geben die H-Sätze (von Hazard Statements, auf Deutsch „Gefahrenhinweise“). Sie ersetzen die ehemaligen R-Sätze. Beispiel: H318 „Verursacht schwere Augenschäden“ oder H332 „Gesundheitsschädlich bei Einatmen“. Und P-Sätze (Precautionary Statements, auf Deutsch „Vorsorge- oder Sicherheitshinweise“) erklären, wie man sicher mit dem Stoff umgeht. Sie übernehmen die Aufgabe der früheren S-Sätze. Beispiel: P233 „Behälter dicht verschlossen halten“ oder P270 „Bei Gebrauch nicht essen, trinken oder rauchen“. Zur besseren Orientierung im Schilderwald gibt’s bei GHS die Signalwörter „Gefahr“ und „Achtung“: „Gefahr“warnt vor richtig gravierenden Gefährdungen, „Achtung“ weist auf geringere Risiken hin. Und was bleibt gleich? Natürlich steht nach wie vor auf der Verpackung, wie der Stoff heißt – und bei einem Gemisch, was drin ist. Außerdem muss auch die neue GHS-Kennzeichnung den Namen, die Adresse und sogar die Telefonnummer des Herstellers/Lieferanten enthalten – für den Fall, dassman dringendmehr Informationen benötigt.

Noch gultig Merkwürdig, überall stößt man noch auf die alten Gefahrstoffetikettenmit den orangefarbenen Quadraten: auf der Arbeit, im Supermarkt, zu Hause. Was gilt denn nun? GHS ist zwar schon längst in Europa in Kraft, aber die alte Kennzeichnung darf vorübergehend noch verwendetwerden. So lange dürfen Stoffe und Gemische entweder ein altes oder ein neues Etikett tragen:
- Reine Stoffe müssen spätestens ab dem 1. Dezember 2010 nach GHS gekennzeichnet werden.
- Gemische bekommen spätestens ab dem 1. Juni 2015 ein GHS-Etikett.




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