
November 2005
Rücksicht nehmen im Straßenverkehr: Einfach nur charmant
Auffahren, Wegblinken, die Vorfahrt nehmen, Hupen, Vogel zeigen: All diese „Nettigkeiten“ gehören zum Alltag auf unseren Straßen. Schade, dass die neue Welle der Höflichkeit noch nicht bei allen angekommen ist.Gutes Benehmen ist in Mode. Vorbei die Zeiten der Rüpelhaftigkeiten. Höflichkeit, Respekt und Rücksichtsnahme kommen überall gut an – auch im Straßenverkehr.
Ihr kennt das auch? Jeder, der langsamer fährt als man selbst, ist eine lahme Schnecke, hat den Führerschein bestimmt im Lotto gewonnen und sollte den Lappen schleunigst wieder abgeben. Aber noch schlimmer als die Schleicher sind diejenigen, die schneller fahren als man selbst. „Also das ist sowieso die Höhe, Raser allesamt, völlig unverantwortlich, warum blitzt hier eigentlich niemand?“ Kommen euch diese Gedanken irgendwie bekannt vor? Der eigene Fahrstil wird schnell zum Maß aller Dinge, alle anderen „blicken´s ja eh nicht!“. Dabei wäre alles so einfach, wenn jeder Verkehrsteilnehmer etwas mehr Wert auf gutes Benehmen legen würde. Mit einer fairen Fahrweise würde sich nicht nur das Verkehrsklima merklich entspannen, es könnten auch viele Unfälle und kilometerlange Staus vermieden werden.
Wissenschaftliche Untersuchungen der Universität Duisburg haben nachgewiesen, dass zum Beispiel ein aggressiver Fahrstil Staus verursacht. Und das funktioniert so: Wenn bei dichtem Verkehr ein Autofahrer bremsen muss, weil sich ein rücksichtsloser Rüpel vor ihn drängelt, steigt der nachfolgende Fahrer noch stärker „in die Eisen“ und der nächste bremst nochmals stärker. Das geht so lange, bis sich viele Autos stauen, denn hinten wird stärker und schneller gebremst als vorne wieder angefahren.
Höflich geht´s besser
Bleibt gelassen: Raserei bringt kaum Zeitersparnis. Zwei Testfahrer des ADAC legten im morgendlichen Berufsverkehr zweimal eine 15 Kilometer lange Strecke quer durch eine Großstadt zurück. Der eine versuchte, so schnell wie möglich zu fahren, inklusive Reindrängeln und schnellem Spurenwechseln. Der andere hielt sich an die Geschwindigkeitsbegrenzungen und schwamm gelassen im Verkehrsstrom mit. Ergebnis? Der Raser holte ganze 90 Sekunden Zeitvorsprung heraus. Erstaunlich, oder?
Kommuniziert miteinander: Zeigt mit eurem Blinker, dass ihr abbiegen, überholen oder anhalten wollt. Blinkmuffel ärgern mit ihrem Verhalten andere Verkehrsteilnehmer und verursachen jede Menge Unfälle. Um das Klima im Straßenverkehr zu entspannen, gehört es auch dazu, sich mit kleinen freundlichen Zeichen für einen Fahrfehler zu entschuldigen oder sich zu bedanken, wenn sich ein anderer Fahrer partnerschaftlich verhalten hat.
Ruhig bleiben: Auch wenn es Nerven kostet, wartet auf der Autobahn, bis links die Spur zum Überholen frei ist, und spurtet nicht rechts an einem Fahrzeug vorbei. Ist übrigens nicht nur gefährlich und rücksichtslos, sondern wird auch mit einem Fahrverbot bestraft. Dauerärger und viele Missverständnisse gibt es beim Reißverschlusssystem: So geht´s richtig: Alle fahren auf ihrer Spur bis zum Engpass nach vorne und fädeln sich dann im Reißverschlussverfahren abwechselnd ein. Was viele nicht wissen: Zu frühes Einfädeln ist ganz falsch und führt zu langen Staus.
Miteinander statt gegeneinander: Zugegeben, es fällt oft schwer, sich in andere Menschen hineinzuversetzen. Gerade im Straßenverkehr scheinen wir damit aber besonders große Probleme zu haben. Die anderen sind eher Konkurrenten als Partner und in gefähr-lichen Situationen natürlich immer schuld. Dass der eigene Fahrstil die Ursache für Ärger und aggressives Verhalten anderer Fahrer sein kann, wird in der Regel ausgeblendet. Hier würden eine Portion Selbstkritik und Toleranz schon viel helfen.
Einfach mal nachgeben: Besonders auf die schwächeren Verkehrsteilnehmer ohne Knautschzone wie Fußgänger, Fahrrad-, Mofa- und Motorradfahrer sollte man Rücksicht nehmen. Dazu zählt auch, mal auf die eigene Vorfahrt zu verzichten und für andere mitzudenken. Bei Kindern gilt: runter vom Gas und mit deren Fehlern rechnen.
Schleicher schleicht euch: Auch notorisches links Fahren fördert Aggressionen und verleitet andere Fahrer zu gefährlichem Verhalten. Nach dem Überholvorgang muss man sich wieder rechts einordnen, um Platz für andere zu machen. Neben den Dränglern sollen zukünftig auch die Schleicher mit einem höheren Bußgeld belegt werden können. Ebenso nervig: die notorischen Mittelspurblockierer!
Drängler aufgepasst: Wer zu dicht auffährt und durch massiven Einsatz von Lichthupe und Blinker andere Fahrer nötigt, die Überholspur zu räumen und Platz zu machen, macht sich der Nötigung schuldig. Drängeln provoziert gefährliche Reaktionen. Auch wenn es nicht zu einem Unfall kommt, können Drängler fünf Punkte im Flensburger Verkehrszentralregister und eine Geldstrafe kassieren. In schwerwiegenden Fällen drohen bis zu fünf Jahre Gefängnis und der Führerscheinentzug.
(Quelle: DVR-Jahresaktion „Rücksicht ist besser“).




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