November 2005
„Aggressionen werden von außen in den Verkehr hineingetragen“

Marion Pieper-Nagel
vom DVR
next: Wie entsteht eigentlich aggressives Verhalten im Straßenverkehr?
Oft entstehen Aggressionen gar nicht im Verkehrsalltag selbst, sondern werden von außen hinein getragen. Aus der Berufswelt, aus der Familie oder aus anderen Lebensbereichen. Wenn es nicht gelingt, diese Aggressionen in vernünftiger Weise abzubauen, nimmt man sie mit hinter das Steuer oder setzt sich im Extremfall eigens ins Fahrzeug, um sie auszuleben. Die Wirkung ist bekannt: Rasen, Drängeln oder das Spiel mit der Lichthupe.
Gibt es besondere Umstände, die Aggressionen verstärken?
Natürlich gibt es Situationen, die bereits vorhandene Aggressionen verstärken oder sie auslösen können. Zum Beispiel eine Fahrt in den Urlaub, die mit einem langen Stau und quengelnden Kindern beginnt. Oder der Außen-dienstmitarbeiter, der enorm unter Zeitdruck steht und auf vollen Straßen von Termin zu Termin hetzt. Allgemein gilt: Aggressives Verhalten nimmt bei wachsendem Verkehrsvolumen stark zu. Je höher die Verkehrsdichte, desto stärker der Stress. Und Stress am Steuer verstärkt Frust, Ärger und eben aggressives Verhalten.
Gibt es Tricks, um die eigenen Gefühle in Schach zu halten?
Jeder Mensch hat die Chance, seine Aggressionen in den Griff zu bekommen. Erstens sollte man versuchen, sich nicht von seinen negativen Gefühlen beherrschen zu lassen. Ist natürlich nicht ganz einfach, aber vielleicht hilft folgender kleiner Trick: Positive Selbstgespräche führen und sich selbst die Kraft suggerieren, ruhig und gelassen bleiben zu können, egal was kommt. Zweitens ist es hilfreich, Kontakt mit anderen Verkehrsteilnehmern aufzunehmen, zum Beispiel mit freundlichen Gesten, Zeichen oder Blicken. Das entspannt die ganze Atmosphäre – und oft bekommt man noch ein nettes Lächeln geschenkt. Drittens: Auf keinen Fall sollte man sich auf Wettkämpfe hinter dem Steuer einlassen. Und viertens: Wer sich andauernd gestresst und aggressiv fühlt, sollte versuchen, sich woanders als auf der Straße abzureagieren. Zum Beispiel beim Sport oder mit Hilfe von Entspannungsübungen.




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