
Safety Car-Fahrer Bernd Mayländer
Mit Sicherheit in Führung
Schumi hat ihn in seiner gesamten Karriere nie überholt. Und selbst Formel 1-Weltmeister Lewis Hamilton sieht in der Regel nur den Auspuff seines Wagens. Wenn Bernd Mayländer in der Formel 1 zum Einsatz kommt, liegt er immer in Führung. Als Fahrer des Safety Car in der Formel 1 ging Bernd Mayländer Ende März 2009 im australischen Melbourne in seine zehnte Saison.Sicherheit ist sein Job. Das Safety Car kommt immer dann auf die Strecke, wenn es für die Piloten gefährlich wird – etwa nach einem Unfall oder bei widrigen Witterungsbedingungen, etwa bei wolkenbruchartigen Regenfällen. Aufgabe von Bernd Mayländer: Sicher vorausfahren und dem Fahrerfeld das Tempo vorgeben. Begleitet wird er dabei von seinem Beifahrer Pete Tibbets, der die Lichtanlage des 525 PS-starken Rennwagens bedient und im ständigen Kontakt zur Rennleitung steht, während sich Mayländer auf die Strecke konzentrieren muss.
Am liebsten ist es Bernd Mayländer, wenn er gar nicht gebraucht wird. Während des Rennens befindet er sich mit Co-Pilot Pete Tibbets immer im "Standby-Modus": Bei laufendem Motor sitzen sie mit Helm, Overall im Auto und verfolgen das Renngeschehen auf den eingebauten Monitoren. So verlieren sie im Ernstfall keine Sekunde und können so schnell wie möglich auf der Strecke sein. Ein zweites Fahrzeug steht zur Not als Reserve bereit.
Kommt das Safety Car zum Einsatz, werden rund um die Strecke gelbe Flaggen mit dem Zusatzschild "SC" geschwenkt, um die Fahrer zu informieren. Das Safety Car sammelt den Führenden ein und bleibt so lange auf der Strecke, wie es die Rennleitung für notwendig hält. Oft wird Mayländer von der Rennleitung gefragt, ob die Strecke wieder frei von Fahrzeugteilen ist oder weit genug abgetrocknet, um das Rennen wieder frei zu geben.
14 Mal wurden die beiden in der Saison 2008 über Race Control ins Rennen geschickt. 27 Runden lang lagen sie mit dem Safety Car in Führung, die Formel 1-Renner wie an der Perlenschnur hinter sich aufgereiht. Das ist nicht viel, wenn man bedenkt, dass sie allein im Regenrennen von Fuji 2007 das Feld 24 Runden lang anführten.
Trotz 525 PS muss Bernd Mayländer ans Limit gehen, um das Formel-1-Feld in einem Tempo anzuführen, bei dem sich die Motoren der Formel-Rennwagen nicht überhitzen und die Reifen nicht zu stark abkühlen. Nicht das Spitzentempo auf der Geraden, wo das Safety Car locker 260 km/h schafft, ist das Problem, sondern die Kurvengeschwindigkeit. Sein Wagen ist rund 1,8 Tonnen schwer. Er wiegt also etwa das Dreifache eines Formel-1-Wagens. Zudem besitzt er nicht den aerodynamischen Abtrieb, der die Formel-Renner auf die Fahrbahn presst. Das Safety Car sei etwa so träge wie ein Jumbo im Vergleich mit einem Starfighter, erklärt der 37-jährige Mayländer.
Umso wichtiger ist es für ihn, sich auf seinen verantwortungsvollen Job gewissenhaft vorzubereiten. "Man muss seine Grenzen kennen", sagt er. Die eigenen kennt er. Die Grenzen seines Fahrzeugs testet er zu Beginn jedes Rennwochenendes. Noch bevor die Teams ihr freies Training starten, dreht er 60 Trainingsminuten lang seine Runden, um mit dem Kurs (wieder) vertraut zu werden, das Fahrzeug, die Funk- und GPS-Systeme sowie die Kameraeinstellungen zu testen.
Außerdem sei es sehr wichtig, sich voll und ganz aufs Autofahren zu konzentrieren. Das gelte nicht nur für seinen Job als Safety Car-Fahrer, wenn er an einer Unfallstelle an Trümmerteilen vorbeifährt, sondern für jeden Autofahrer. Ablenkungen wie Mobiltelefone, Radios oder irgendwelche Nebenbeschäftigungen führten oft dazu, dass der Fokus nicht mehr auf dem Autofahren liege und schon passierten Fehler.
"Ich habe Sicherheitsreserven. Ich fahre nah am Limit, vielleicht bei 98 Prozent", sagt Bernd Mayländer, der bei der AMG Driving Academy als Trainer mitarbeitet. Um Grenzen zu erfahren, eigneten sich Sicherheitstrainings sehr gut. Niemand solle "die Straße zur Rennstrecke machen". Und gerade junge Fahrer sollten sich von anderen nicht drängen lassen, das eigene Limit und das ihres Wagens im Straßenverkehr zu testen. "Unser Spielplatz ist auf der Rennstrecke", sagt der Rennfahrer Mayländer und ergänzt nicht ohne Stolz und mit breitem Grinsen: "Ich bin punktefrei in Flensburg." Sicherheit solle auf der Straße genauso Vorfahr haben, wie das Safety Car, wenn die gelbe Flagge geschwenkt wird.




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