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Dummy

Dummys

Trainingslager für Hightechmodels

Seit 60 Jahren riskieren Crashtest-Dummys für die Sicherheit Kopf und Kragen. Mittlerweile sind sie richtige Hightechmodels und kosten zwischen 100.000 und 150.000 Euro. Um mit den hochsensiblen Testpuppen verwertbare Ergebnisse zu ermitteln, ist jede Menge Fachkenntnis nötig. Daher gibt es zum erfolgreichen Einsatz von Dummys Schulungsseminare. Denn einen Crash zu wiederholen und ein zweites Auto vor die Wand zu fahren, ist verständlicherweise ziemlich teuer.


1949 wurde mit „Sierra Sam“ der erste Dummy entwickelt. Er war jedoch keine Entwicklung für Auto-Crashtests, sondern für die amerikanische Luftwaffe. "Sierra Sam" war ein so genannter „95-Prozent-Mann": Größer und schwerer als 95 Prozent der erwachsenen Männer. Bevor es Dummys gab, setzten Crash-Forscher Leichen ein oder sie setzten sich selbst extremen Situationen aus, um die Wirkung von gewaltiger Verzögerung zu testen. Zum Glück übernehmen diesen Job heute die Hightechpuppen.

Für Versuchs- und Simulationsingenieure gibt es Seminare zum Aufbau der verschiedenen Dummytypen, zu den Sensoren und Einsatzmöglichkeiten, zur Einstellung (Kalibrierung) der Testpuppen und zu aktuellen Weiterentwicklungen. Einsatz und Handhabung der Dummys kann in mehrtägigen Trainingslagern geübt werden, zum Beispiel im Dummy-Labor der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt).

Über 50 Messgeräte sind im Innern eines modernen Dummys versteckt: im Kopf, Rücken, Gesäß und in den Beinen. Die Sensoren der neuesten Dummys sammeln 10.000 Crash-Daten pro Sekunde und speichern sie auf einer kleinen, integrierten Box, kaum größer als ein Handy.
Damit nach dem Crash realistische Rückschlüsse auf Verletzungen gezogen werden können, tragen Dummys natürlich auch Kleidung und Schuhe. Schließlich zeigt auch die Reibung der Kleider Wirkung bei einem Unfall. Zudem werden die Dummys vor den Crashs in der Regel kräftig geschminkt. Abdrücke der Schminke auf Airbag und Armaturen lassen Rückschlüsse zu, zum Beispiel wo der Kopf aufgeschlagen ist und ob der Airbag beim Aufprall des Kopfes voll entfaltet war.

Im Laufe der Jahre ist eine richtige Dummyfamilie entstanden. In der Regel sind im Einsatz: der 50-Prozent-Mann, die 5-Prozent-Frau (nur 5 Prozent aller Frauen sind kleiner als sie), ein 6- und ein 3-jähriges Kind und ein 12-monatiges Baby namens CRABI. Die meisten Attrappen basieren auf den Körpermaßen von Europäern oder Amerikanern.
Ohne Crashtest-Dummys wären unsere Autos heute lange nicht so sicher. Doch keine Frage: Die künstlichen Mensch-Attrappen haben den härtesten Job in der Automobilindustrie. Für unsere Sicherheit halten Dummys bei unterschiedlichsten Crashs den Kopf hin. Sie rasen vor Betonwände und krachen in andere Autos. Sie überschlagen sich in Cabrios, stoßen mit Wildattrappen zusammen und rasen mit Motorrädern in Kombis.

Um die Folgen von Zusammenstößen zwischen Fußgängern und Auto und entsprechende Schutzmaßnahmen besser testen zu können, wurde mit „POLAR II" auch ein komplexer Fußgänger-Dummy entwickelt, mit dem mögliche Becken- und Oberschenkel-, aber auch Nackenverletzungen der Passanten untersucht werden können.

Dass Computer-Crashtest die realen Dummys völlig arbeitslos machen, ist in naher Zukunft nicht zu erwarten: „Obwohl die Computersimulationen hoch entwickelt sind, sehen wir sie nur als Ergänzung der physischen Tests", sagt Crashtest-Experte Roderick Verschut von First Technology Safety Systems, einem Dummy-Hersteller.
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